Aus der Beobachterrolle in die Mitgestaltung: Das Projekt „Voices of Change"
Wie schaffen wir es, dass junge Menschen nicht nur betroffen sind von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, sondern aktiv an ihnen mitwirken? Diese Frage stand am Anfang des Erasmus+ Training Courses „Voices of Change", an dem MainJugend als deutscher Partner teilgenommen hat. Acht Tage lang versammelten sich rund 30 Jugendarbeiter:innen und Multiplikator:innen aus mehreren europäischen Ländern in Yerevan, Armenien, um gemeinsam Antworten zu entwickeln.
Die Arbeitsmethoden basieren auf dem Konzept der nicht-formalen Bildung. Statt klassischem Frontalunterricht arbeiten die Teilnehmer:innen in kleinen, internationalen Gruppen, präsentieren ihre Konzepte in Pitches, geben sich gegenseitig Feedback und reflektieren ihre Arbeit am Ende jedes Tages. Die Abende sind für interkulturelle Programme reserviert — ein Format, das nicht nur Wissen, sondern auch Vertrauen und gegenseitiges Verständnis aufbaut.
Der inhaltliche Rahmen des Training Courses lässt sich in drei Säulen zusammenfassen, die als roter Faden durch die gesamte Woche zogen:
Teilhabe zugänglich machen. Finanzielle, sprachliche und strukturelle Barrieren sind die ersten und oft die hartnäckigsten Hürden für eine echte Beteiligung junger Menschen. Bevor Motivation eine Rolle spielt, müssen diese Barrieren fallen.
Selbstvertrauen aufbauen. Werkzeuge, Wissen und das Gefühl, gehört zu werden, sind die Voraussetzung dafür, die eigene Stimme zu erheben. Wer einmal vor einer internationalen Gruppe eine eigene Idee verteidigt hat, kommt verändert nach Hause.
Jugend wirksam einbinden. Beteiligung bedeutet mehr als angehört zu werden. Sie bedeutet, in demokratischen Prozessen, kommunalen Entscheidungen und gesellschaftlichen Diskursen tatsächlich Mitsprache zu haben.
Konkrete Konzepte statt abstrakter Wünsche
Ein Erasmus+ Training Course unterscheidet sich von einer Bildungsreise dadurch, dass am Ende greifbare Ergebnisse stehen, die in die eigene Jugendarbeit zurückfließen. In Eriwan haben die Arbeitsgruppen mehrere Initiativen entwickelt, die über den Austausch hinaus weitergetragen werden sollen.
Eine portugiesische Gruppe stellte das Konzept „L.I.N.K." vor — die Abkürzung steht
für Language, Integration, Network, Knowledge. Es handelt sich um ein peer-getragenes
Modell, das frisch zugewanderte Menschen mit lokalen Mentor:innen verbindet. Eine
andere Gruppe entwarf eine sogenannte Intervention Modalities Matrix — ein
strukturiertes Werkzeug, das vier unterschiedliche Wirkungsebenen miteinander
verzahnt: Info-Sessions für ein erstes Bewusstsein, einen digitalen Opportunities
Hub für niedrigschwelligen Zugang, Storytelling-Serien für Identifikation und
1:1 Peer-Mentoring für nachhaltige Begleitung.
Was diese Arbeitsergebnisse verbindet, ist ein gemeinsames Verständnis:
Jugendbeteiligung entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch Infrastrukturen.
Es reicht nicht, junge Menschen zu fragen, was sie denken — es braucht Räume,
Werkzeuge und kontinuierliche Begleitung.
Was wir mitnehmen
Für MainJugend war „Voices of Change" mehr als ein einzelnes Projekt. Der Training Course hat ein Prüfraster geliefert, mit dem wir kommende Initiativen messen können: Senken wir reale Barrieren? Bauen wir echtes Selbstvertrauen auf? Und führen unsere Formate dazu, dass junge Menschen tatsächlich Einfluss nehmen können?
Wir bedanken uns bei allen Partnerorganisationen, den Teilnehmenden aus den
verschiedenen Ländern und dem Erasmus+ Programm der Europäischen Union, das solche
Begegnungen erst möglich macht. Und wir freuen uns darauf, das Gelernte in unsere
kommenden Projekte einfließen zu lassen.
„Echte Teilhabe beginnt dort, wo Barrieren fallen."
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